Werkstraße der Verwandlung

in der Telux (alte Glasfabrik)

Karte der Werstraße der Verwandlung

Station 1

Schild: Bitte Warten

An der Wand des Warteraums ist der Text „Transformation der Telux“ (Autor:Paul Brodowsky; Text s. Parcours/Telux) in Postergröße zu lesen. Als Handzettel kann ihn jeder mitnehmen.

Werkstraße der Verwandlung
Werkstraße - Eingang
Werkstraße - Glaskolben
Werkstraße - Raumsituation
Werkstraße - Glaskalfaktor

Station 2: Der Glaskalfaktor

DER GLASKALFAKTOR öffnet die Schiebetür zur Umkleide und fordert das Publikum auf, einzutreten:
Beeilt euch, macht hinne! Die Uhr tickt!
Gestatten Glaskalfaktor, Mädchen für alles, was wichtig ist in der Produktion. Niemand ist perfekt, aber der Glaskalfaktor ist nah dran. Also die hellste Birne in der Glasbude. Heute bin ich zuständig euch einzuweisen. Ich begrüße euch zu einer Transformation mit Leibesübungen unter eurer Beteiligung. Merke: Der Glaskalfaktor, in der Sprache rauh, der ist dämlich aber schlau.

Werkstraße - Der Glaskalfaktor begrüßt
Werkstraße - Umkleidesituation

Wir befinden uns hier in einer Glasbude für technische Gläser. Als Firma Osram gegründet, der weltgrößte Produzent von Glühbirnen. Danach Spezialglaswerk „Einheit“, der größte Weihnachtsbaumkugelproduzent Mitteleuropas. Heute Telux, großer Raumvermieter im Kreis und Soziokulturellen Zentrum für Jung und Alt. So wandelt sich ein Betrieb. Und da brauchts eben helle Birnen – mich.
Merke: Hat sich ein Betrieb total verwandelt, hat er mit der Treuhand angebandelt!

Schild: Umkleide

Auch ihr wandelt euch jetzt. Denn hier ist der Wandel das Maß aller Dinge. Als erstes verwandelt ihr euch in ein sozialistisches Glasarbeiterkollektiv. Ihr wißt ja: „Der Beste wird Aktivist!“ Dann geht’s zur Kolbenausgabe. Und danach auf die Lernbahn. Prägt euch die Abläufe auf den Tafeln genau ein. Dann geht’s zu Hüttenmeister Roller auf die Werkstelle. Da werdet ihr Teil einer Bandformgebungsanlage und arbeitet so. Diese Anlage arbeitet nach dem Fließbandprinzip.
Und weil‘s mal wieder nüscht geworden ist, wie so oft, kommt’s in die Brockenkiste.
Zum Schluß wird im Brockenbrecher das Glas wieder zum Rohstoff für die Zukunft. Also, unterm Strich: Wir sind eine komplette Recyclinganlage. Und so wird der Modellfall bei uns zum Mass aller Dinge.
Doch bevor es losgeht, muss Arbeitsschutzkleidung angelegt werden. Bitte Handschuhe und Schürzen ausfassen. Keine Angst, sie sind desinfiziert und mit Soda gewaschen. Er demonstriert selbst das Anlegen der Schürze und treibt das Publikum an, weil die Schicht beginnt. Doch jetzt muss es los gehen. Folgt den Pfeilen und Beschilderung. Wie mein alter Hüttenmeister Zeidler schon früh um Sechse sagte: Los geht’s! Er schickt die Gruppe zur Kolbenausgabe weiter.

Mit: Ulli Teichert; Text+Regie: Ulli Teichert/Stefan Nolte

Ulli Teichert hat als Betriebsrat in der Glasfabrik "Einheit" (heute Telux) die Zeit der Wende und die Wellen der Entlassung danach miterlebt. Siehe auch sein Statement unter Arbeit im Stadtraum/Was bleibt?.

Station 3: Kolbenausgabe

Jeder Besucher erhält einen Glaskolben mit der Aufschrift „Volkseigentum“ und einer Nummer von 1-8.

Symbol: Glaskolben
Schild: Station 1-8
Werkstraße - Kolbenausgabe
Werkstraße - Entgegennehmen der Glaskolben

Station 4: Lernbahn

Entsprechend der Nummer des Glaskolbens sucht sich jeder seine Bewegungs-Anleitung und studiert sie ein.

Schild: Lernbahn
Werkstraße - Lernbahnschild
Werkstraße - Einüben der Bewegung

Station 5: Hüttenmeister Roller

Werkstraße - Hüttenmeister Roller
Werkstraße - Hüttenmeister Roller in Aktion 1
Werkstraße - Hüttenmeister Roller in Aktion 2

HÜTTENMEISTER ROLLER:
Hier befindet sich der nächste Abschnitt der Werkstrasse der Verwandlung. Ich bin Hüttenmeister Roller und ich habe mich an diesem Punkt in den Transformationsprozess als Werksspion eingeschlichen, um Euch etwas über die Normierung von Arbeitsabläufen zu erzählen. Ausgedacht hat sich dieses System ein Mann namens Frederick Taylor, hier die Erstausgabe seines Buches „Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung“ von 1919. In seiner wissenschaftlichen Untersuchung hier hat Herr Taylor festgestellt, daß es wesentlich leichter ist, die Effizienz einer Produktion zu steigern, wenn komplexe Arbeitsabläufe in kurze, repetitive Abschnitte unterteilt werden. Für diesen kurzen Arbeitsabschnitt wird dann ein Pensum festgelegt - erfüllt man als Arbeiter sein Pensum, gibt es eine Prämie - erfüllt man sein Pensum nicht, gibt’s Lohnabzug. Dieses Prinzip der Optimierung von Arbeitsabläufen oder auch „Typisierung von Arbeitsabläufen“ wollen wir jetzt mal in einer Versuchsanordnung nachvollziehen…

Er bittet die Zuschauer auf die Arbeitsbühne, dort sollen sie entsprechend der Nummer ihres Glaskolbens und der entsprechend auf der Lernbahn einstudierten Bewegung die Kolben weitergeben. Der Takt des Weiterreichens wird vom Hüttenmeister vorgegeben und erhöht, bis ein Kolben zu Boden fällt.

Performance und Text: Jochen Roller

Angaben zu Jochen Roller finden Sie unter Info/Künstlerteam

Werkstraße - Hüttenmeister Roller in Aktion 3
Werkstraße - Hüttenmeister Roller in Aktion 4
Werkstraße - Hüttenmeister Roller in Aktion 5

Station 6: Brockenkiste

Schild: Lernbahn

„Bitte werfen Sie Ihren Glaskolben jetzt hier hinein.“ Jeder Wurf in den Kellerschacht löst einen grellen Lichtblitz aus. Die eigenhändige Zerstörung des Glaskolbens löst Widerstände aus, ist aber nowendiger Teil des Transformationsprozesses.

Werkstraße - Lichtblitz in der Brockenkiste

Station 7: Scherbentanz

Werkstraße - Videoinstallation 'Scherbentanz'

Video "Scherbentanz" abspielen

Videoinstallation mit den Line-Dancern der Crystal Eagles
Choreografie: Jochen Roller; Film: Constanze Fischbeck;

Station 8: Die Einlegerin

Die Zuschauergruppe hat am Ausgang Werksschürze und Handschuhe abgelegt und kommt über die Rampe auf das Werksgelände. Hier wird sie von der Einlegerin begrüßt. Sie füllt das zermahlene Glas (die sogenannte Fritte) in kleine Leinenbeutel.

Werkstraße - Ausgangssituation
Werkstraße - Die Einlegerin Carola Schwiertz

DIE EINLEGERIN:
Hallo, darf ich mich vorstellen, ich bin die Einlegerin. Sie sind hier am finalen Produktionsabschnitt angelangt. Hier in der Gemengemulde sehen Sie unser Produkt.
Man kann es sehen, man kann es anfassen, es ist da. Sie fordert dazu auf, in die Schüssel zu greifen und das Produkt anzufassen. Dieses Gemengepotential ist Grundlage für neue Innovationen. Der Glaskalfaktor hat es Ihnen ja schon versprochen. Damit sie es nutzen können, dürfen Sie es auch mitnehmen. Dafür habe ich es ihnen in ein Transfergebinde verpackt.

Die Einlegerin verteilt die Transfergebinde und fordert Zuschauer auf, die ihren Glaskolben in der Brockenkiste noch nicht zerstört haben, ihn jetzt noch einzutauschen.

Mit Carola Schwiertz; Text & Regie: Carola Schwiertz/Stefan Nolte

Carola Schwiertz arbeitet als Materialanalystin in einem chemischen Betrieb in Spremberg und kennt die Glasindustrie Weißwassers aus ihrer Zeit in der Bärenhütte. Siehe auch ihr Statement unter Arbeit im Stadtraum/Was bleibt?.

Werkstraße - Besucher bei der Einlegerin
Werkstraße - Fritte und Transfergebinde

Fabrikhof

Auf dem Weg aus dem Fabrikgelände treffen die Parcoursgänger*innen auf den Chor der Verwandlung mit Bernadette La Hengst

Werkstraße - Videoinstallation 'Scherbentanz'

Wir danken der Telux Spezialglas GmbH, dem SKZ Telux, und unseren Förderern

Modellfall Weißwasser - Telux: Scherbentanz

letztes Bildnächstes Bild