Lernen für die Transformation

Inspirierend für das Projekt „Modellfall Weißwasser“ und die Arbeitsweise vor Ort war ein Essay von Friedrich von Borries mit dem Titel „Lernen für die Transformation“. Hier einige für uns wichtige Zitate aus dieser kritischen Revision des Bauhaus-Erbes.

„Das Bauhaus wird verstanden als Institution, die versuchte, mit den Mitteln der Gestaltung - von Textilien über Möbel bis zur Architektur - Gesellschaft, wenn nicht gar den Menschen zu verändern.“

„Man ging davon aus, dass die Gestaltung der Dinge des täglichen Gebrauchs und die Gestaltung der uns umgebenden Räume, Einfluss haben auf die Art, wie wir uns als Gesellschaft und als Individuen konstituieren. … Und dennoch ist diese Annahme zu hinterfragen.“

Bauhaus - Illustration: Die Kunst gestaltet unser Dasein nicht

„Für eine solche Zeit des Umbruchs, der Veränderung, kann das Bauhaus, verstanden als soziales und gestalterisches Experiment in einer Zeit dramatischen Wandels, ein interessanter, fruchtbarer Referenzpunkt sein.“

„Gestaltung ... hat in Transformationsprozessen nicht mehr nur die Aufgabe, Zusammenhänge in eine bestimmte Richtung hin zu verändern, sondern vielmehr sie so aufzubrechen, dass sie sich wie von selbst verändern. An die Stelle der ,Subversion‘ tritt die ,Intervention‘: statt zu unterlaufen wird dazwischen und damit auch hinein gegangen. Doch auch die Intervention, wenn sie der Transformation zuträglich sein will, braucht eine normative Zielrichtung. Sie muss wissen, warum sie interveniert.“

„Kunst, Design und Architektur, alle Gestaltung, die zu Transformation beitragen will, muss Offenheit gestalten, muss Dinge, Räume und Zusammenhänge aufbrechen, Diversität, Risse und Öffnungen erzeugen, damit Möglichkeitsräume für demokratisches, kooperatives, postkapitalistisches Zusammenleben entstehen.“

„In einer Zeit, in der es Aufgabe sein wird, von der kapitalistischen Ich-Zentriertheit und dem Primat der Konkurrenz zu neuen Formen der Kooperation zu kommen, wird die Arbeit am ,Ich‘, wird das Selbstdesign eine notwendige sein.“

„Eine solche Selbstschulung braucht keine Institution mit festem Lehrplan. Es bedarf keiner Schule, die wie das Bauhaus klar strukturiert und streng hierarchisch gegliedert ist. Es braucht, anders als das Bauhaus und innovative Nachfolger … nicht einmal einen identitätsstiftenden Ort. Es braucht etwas anderes: Es braucht eine Vielzahl unterschiedlicher Orte, an denen in immer neuer Form, und vielleicht manchmal auch nur für kurze Zeit, Formen des Mit-sich-Seins und des Miteinanders erprobt werden können.“

Alle Zitate aus: Annette Menting, Walter Prigge [Hg.]: Modernes Sachsen: Gestaltung in der experimentellen Tradition Bauhaus. Leipzig: Spector Books 2018, S133-137.

Dank an Spector Books und Friedrich von Borries für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

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